Vegetationsbrände stellen besondere Anforderungen an die Logistik

Waldbrände stellen hohe Anforderungen an Mensch und Material © photo4luck - Fotolia.com

Waldbrände stellen hohe Anforderungen an Mensch und Material © photo4luck – Fotolia.com

Wald- und Flächenbrände ereignen sich häufig abseits der Ortslagen und damit außerhalb der Reichweite der zentralen Wasserversorgung. Dazu kommen hohe Temperaturen und sonniges Sommerwetter. Dadurch ergeben sich für deutsche Feuerwehren mit Standardausrüstung oftmals erhebliche logistische Herausforderungen, denen mit hohem Personal- und Materialeinsatz, wie etwa einer Wasserversorgung über lange Wegestrecken oder einem TLF-Pendelverkehr begegnet wird. Doch wie so oft sind es die kleinen Hilfsmittel und spezielle Taktiken, die bei solchen Einsätzen ggf. sogar schneller zum Erfolg führen können.

Dabei sollten zunächst auch die besonderen Anforderungen an das Personal beachtet werden: Ausreichender Nachschub an geeigneten Getränken, auch an der „Front“, die Möglichkeit für das Personal, ausreichend im Schatten zu ruhen sowie Sonnen- und Mückenschutz sind unabdingbare Voraussetzungen zur Erhaltung der Einsatzfähigkeit. Und das Feuerschutzkleidung für den Innenangriff bei Temperaturen um 30 Grad früher oder später zum Kollaps der Einsatzkraft führen werden dürfte ohnehin klar sein.

Technische Hilfsmittel

Umfangreicher Wasser- oder gar Netzmitteleinsatz wird bei Wald- und Flächenbränden nach dem Prinzip der ozeanischen Löschmethode (wenn das Wasser was unten rausläuft genau so warm ist wie das, was aus dem Strahlrohr kommt, ist das Feuer aus) früher oder später sicher zum Erfolg führen. Mit den üblichen Feuerwehrgeräten und Armaturen ist die Verteilung passender Wassermengen für diese Taktikvariante jedoch sehr schwierig: Beim TLF-Pendelverkehr sind ausreichend befestigte Zufahrten und eventuell weitläufige Verteilungsnetze an der Brandstelle erforderlich, bei der Wasserförderung über lange Wegestrecken müssen kilometerlange Schlauchstrecken, ggf. mit einigen Verstärkerpumpen, über lange Zeit betrieben werden. Beides bindet umfangreiche Ressourcen. Bei sehr unwegsamem Gelände oder nicht ausreichender Wasserversorgung ist gar ein Abwurfeinsatz durch Hubschrauber mit Außenlastbehältern erfoderlich.

Dies alles mag bei großen Feuern mit breiten Feuerfronten oder großer flächenmäßiger Ausdehnung sinnvoll sein, ggf. sind hier jedoch durch Dynamik und Laufgeschwindigkeit des Feuers Grenzen gesetzt. Für Nachlöscharbeiten oder bei kleineren Bränden lässt sich der Aufwand durch geeignete Technik deutlich reduzieren. Nicht umsonst werden in Ländern mit hoher Waldbrandgefahr oftmals kleine, mobile Einheiten mit pump-and-roll-fähigen Tanklöschfahrzeugen und so genannten Handcrews eingesetzt. Diese Trupps führen Werkzeuge zur effektiven Durchführung von Nachlöscharbeiten sowie zum aktiven Anlegen von Wundstreifen zur Eingrenzung des Feuers mit. Diese sind bei vielen Wehren nur in geringem Umfang vorhanden.

4000bravo2

Scotty Löschrucksack 4000 Bravo

Während Motorkettensägen, Feuerpatschen, Schaufeln und Äxte noch kein Problem darstellen dürften hapert es oft schon bei der Verteilung kleinerer Löschwassermengen zum Bekämpfen von Glutnestern. Besser als einen gefüllten C-Schlauch mehrmals quer durch den Wald zu ziehen ist es, so genannte Löschrucksäcke direkt bei den Trupps mit zu führen. Ein hochwertiges, ergonomisches Modell ist z.B. der 4000-Bravo der kanadischen Firma Scotty, der 22 Liter Wasser fasst und mittels Handpumpe eine effektive Brandbekämpfung ermöglicht.

Das GORGUI-Tool

Das GORGUI-Tool

Auch spezielle Handwerkzeuge sind eine sinnvolle Ergänzung. So eignen sich so genannte Feuerrechen oder das spezielle McLeod-Tool zum schnellen Anlegen eines Wundstreifens. Eine sehr gute Kombination verschiedener Werkzeuge stellt das Gorgui V2-Werkzeug dar, welches neben der Funktion als Feuerrechen auch eine flache Seite zum Trennen von Wurzeln und Ästen aufweißt.

Einsatzvorbereitung ist das A & O

Der wasserfeste LCES-Notizblock mit Hinweisen zu Waldbrandeinsätzen

Der wasserfeste LCES-Notizblock mit Hinweisen zu Waldbrandeinsätzen

Neben der eigentlichen Handarbeit kommt bei umfangreichen Einsätzen in umwegsamem Gelände auch der Führung eine besondere Bedeutung zu. Neben der bereits beschriebenen Vorsorge durch Versorgung und adequate Personalplanung ist es wichtig, durch vorausschauende Raumordnung Gefahren für die Einsatzkräfte zu minimieren. So muss unbedingt vermieden werden, dass Trupps vom Feuer eingeschlossen oder der Rückweg abgeschnitten wird. Aus den USA stammt die LCES-Regel, die auch auf unseren LCES-Notizblöcken wiederholt wird:

  • Lookouts – Durch Beobachter in geeigneter Position sollte die Lageentwicklung überwacht werden um auf sich ergebende Dynamik schnell reagieren zu können
  • Communications – sinnvolle Kommunikationsplanung muss sicherstellen, dass im Notfall auch die Trupps an der Front schnell erreicht werden können
  • Escape Routes – für Trupps an der Feuerlinie müssen sichere Rückzugswege geplant werden
  • Safety Zones – Die Rückzugswege müssen zu sicheren Zonen führen, die gegen jede dynamische Entwicklung des Feuers gehalten werden können

Alleine dies erfodert eine angepasste Eindsatzadministration incl. einer laufend gepflegten Lagedarstellung, die im Vorfeld geplant und geübt werden sollte. Ausreichendes Kartematerial, ein gemeinsames Verständnis wichtiger taktische Anforderungen und eine klare Führungsorganisation sind dafür unerlässlich.

Produkte die bei all diesen Aufgaben helfen können gibt es u.a. in unserem Shop in den Kategorien Tools und Hilfsmittel und Lagedarstellung. Für ihren speziellen Bedarf erstellen wir Ihnen auch gerne ein individuelles Angebot. Wir sind durch Kooperation mit verschiedenen Lieferanten in der Lage auf beinahe jeden Bedarfsfall zu reagieren. Sprechen Sie uns einfach unter waldbrand@mo-esch.net an!